Grabfelder / Gedenkstätten

Hier befinden sich  bildliche Beispiele, sowie einige Pressetexte 

 

Bilder von Grabfeldern, Gedenksteinen - und Plätzen als Videodateien


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BREMEN

Totgeburten werden auf dem Friedhof bestattet  

una Bremen – Wenn eine Schwangerschaft frühzeitig endet, werden die toten Embryos und Föten von den Krankenhäusern in Bremen und Bremerhaven ab sofort nicht mehr „entsorgt”, sondern auf einem Friedhof beigesetzt. Mit dieser Regelung ist Bremen nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft das erste Bundesland, in dem bei stationären Tot- und Fehlgeburten eine Bestattung unabhängig von gesetzlichen Vorschriften gesichert ist.

Die Regelungen über eine Bestattungspflicht sind von Land zu Land unterschiedlich. In Bremen tritt demnächst ein neues Gesetz in Kraft, das die bislang übliche Beseitigung von Föten (nach der zwölften Schwangerschaftswoche) verbietet und die Beisetzung zur Pflicht macht. Schon vorher haben die Bremer Krankenhäuser an der darüber hinausgehenden landesweiten Übereinkunft gearbeitet, die es sonst nirgends in Deutschland gibt.

Danach werden fehl- und totgeborene Kinder zunächst aufgehoben und in bestimmten Abständen eingeäschert. In einer gemeinsamen Trauerfeier bekommen Eltern und Angehörige bei einem Urnenbegräbnis die Möglichkeit Abschied zu nehmen. Die Bremer Krankenhäuser haben dafür auf drei Friedhöfen Grabstätten erworben, an denen zugleich die Trauer um das in den ersten Entwicklungsstadien beendete Leben ihren Platz finden kann. Auch Embryos und Föten aus stationären Schwangerschaftsabbrüchen in Bremen werden so beigesetzt. Die Mütter erfahren davon aber nur, wenn sie ausdrücklich danach fragen.

Süddeutsche Zeitung, 6. März 2001

 

 

ELDINGEN/CELLE

Leere Wiege – was nun?

Kein Ort.
Kein Platz. Es ist einfach nicht da – das Kind.
Gerade noch große Freude... Nun jedoch große Traurigkeit.
Und oft die Frage: Wie konnte das geschehen und warum?
Viele Frauen müssen das erleben. Sie erleben eine Fehlgeburt.
„Man” spricht nicht gern darüber, es war ja noch so klein – und doch:
Es war schon da...
Kein Ort. Kein Platz.
Für die Trauer... Ich kann keinen Blumenstrauß hinlegen.

Wir wollen in unserer Kirchengemeinde einen Ort, einen Platz schaffen auf unserem Friedhof. Für Frauen und Männer, für Eltern, die betroffen sind. Ein Gedenkstein, ein Ort des Gedenkens und der Trauer, soll errichtet werden, mit einer Inschrift, um an die Kinder zu denken, die nicht leben konnten, nicht beerdigt werden konnten, unsere Welt nur kurz betraten. Weil auch sie Töchter und Söhne des Ewigen sind. So werden Mütter, Väter, Großeltern und andere, ihrer Trauer Ausdruck verleihen können. Niemand ist vergessen...

Eine Blume des Gedenkens hinlegen an jenen Ort des Gedenkens und der Trauer. Für alle Menschenkinder. Wir haben bald einen solchen Ort. Wir haben bald einen solchen Platz auf unserem alten Friedhof.

Maren-Elisabeth Rehse-Köppe

Der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Eldingen hat auf Initiative von Frau Rehse-Köppe in seiner Sitzung am 25. Januar 2001 beschlossen, einen Platz für tot- und fehlgeborene Kinder auf dem Eldinger Friedhof zu gestalten.

Otto Ellert
Quelle: Gemeindebrief April/Mai 2001
der Ev.-luth. Kirchengemeinden Eldingen und Hohnhorst

 

 

Tot Geborene bekommen einen Platz auf dem Friedhof/ Widmung am Sonnabend

Ort der Trauer und des Gedenkens
„Zuflucht haben unter Gottes Flügeln”

ELDINGEN (hjg). „Zuflucht wirst Du haben unter Gottes Flügeln.” Worte eines Psalms (91,4) stehen auf dem Findling. In der Mulde liegt eine rote Rose. Bunte Blumen vor dem Stein bringen zusätzlich etwas Farbe ins Bild. Dies ist der Ort, an dem auf dem Friedhof in Eldingen künftig Menschen trauern können, die sich auf ein Kind freuten und es nicht bekommen konnten, weil die Mutter eine Fehlgeburt hatte. Eldingen gibt tot Geborenen nun einen Platz.

Knapp 30 Menschen kamen am Sonnabendnachmittag auf den Eldinger Friedhof, um gemeinsam mit Maren-Elisabeth Rehse-Köppe und ihrem Mann, dem Pastor Wulf Lothar Köppe, den Gedenkplatz öffentlich zu übernehmen und ihn zu widmen. „Dieser Platz soll ein Ort der Trauer und des Gedenkens sein”, sagte Maren-Elisabeth Rehse-Köppe im Rahmen der kurzen und schlichten Andacht. Cornelia Knoop (Hohnhorst) von der Initiative REGENBOGEN ”Glücklose Schwangerschaft” e.V. Schorndorf trug ein Gedicht vor, das eine Mutter aus Berlin im Oktober 1998 verfasste. „An Bohny”, so ist es überschrieben. Im Text heißt es unter anderem: „Spürte nie Deine Hand, sah nie Dein Gesicht. Mein Sohn warst Du. – Warum wolltest Du nicht? / Vernahm Deinen Herzschlag, sah Bilder von Dir. Wollt’ die Welt Dir zeigen – Warum bliebst Du nicht hier? / Spürte etwas von Dir dort drinnen in meinem Bauch. Ein Leben auf Erden. Wolltest Du das nicht auch? / Schon nehmen wir Abschied, doch bleiben die Fragen. Wie geht es weiter – Wie soll ich’s ertragen?”

Der Ort der Stille, des Gedenkens und der Trauer auf dem Eldinger Friedhof entstand auf Initiative von Maren-Elisabeth Rehse-Köppe. Sie dankte am Sonnabend dem Kirchenvorstand für dessen Zustimmung und allen, die am Zustandekommen beteiligt waren.

Hintergrund ist, wie berichtet, dass tot Geborene in Deutschland auf dem Sondermüll landen und „entsorgt” werden. Nach dem in Niedersachsen geltenden Gesetz müssen Kinder, die mit einem Gewicht von unter 500 Gramm tot geboren beziehungsweise entbunden werden, nicht bestattet werden. Im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Celle entwickelt eine Arbeitsgruppe um Superintendent Dirk Hölterhoff zurzeit ein Konzept, mit dessen Hilfe erreicht und ermöglicht werden soll, dass in Zukunft jedes tot geborene Kind würdevoll beigesetzt wird. Im August will die Gruppe ihre Arbeit abgeschlossen haben.

Anmerkung von Cornelia Knoop: Es hat mich sehr beeindruckt, mit welcher Unkompliziertheit die Idee von Frau Rehse-Köppe zur Schaffung eines Gedenkplatzes für Fehl- und Totgeburten – auf dem auch kleine nichtbestattungspflichtige Kinder würdevoll und kostenfrei beigesetzt werden können – auf unserem Eldinger Friedhof umgesetzt wurde. Es ist ein wunderschöner kleiner Ort des Gedenkens und der Stille geworden, mit einem – wie ich finde – sehr passenden Gedenkstein. Dafür einen ganz besonderen Dank an Frau Rehse-Köppe, an den Kirchenvorstand für dessen Zustimmung, an Herrn Heiner Seiler für die Stiftung des Findlings und an alle am Zustandekommen Beteiligten!

Cellesche Zeitung, 2. Juli 2001

           

   

Arbeitsgruppe entwickelt Konzept für evangelisch-lutherischen
Kirchenkreis Celle

Jedes tot geborene Kind würdevoll beisetzen
Nahezu kostenfreie Bestattung bald möglich

Von Mirja Pflug

CELLE. Jedes tot geborene Kind im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Celle soll künftig würdevoll beigesetzt werden – vorausgesetzt die Eltern sprechen sich nicht ausdrücklich dagegen aus. Dieses Ziel im Umgang mit Tot- und Fehlgeburten hat sich eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Superintendent Dirk Hölterhoff gesetzt.

Angeregt durch die Kinderklinik und die Krankenhausseelsorge im Allgemeinen Krankenhaus Celle (AKH) entwickeln die Mitglieder der Arbeitsgruppe seit einem halben Jahr ein Konzept, das dem ein Ende setzen soll, was bundesweit nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Bestattungsgewerbes mit fast allen nicht bestattungspflichtigen Kindern (tot Geborene unter 500 Gramm Gewicht) passiert: sie müssen in den Kliniken als medizinischer Abfall entsorgt werden. Zwar werden im AKH alle betroffenen Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihr totes, nicht bestattungspflichtiges Kind begraben lassen können, wenn sie dies wünschen, so Christine Hermes, Pastorin in der Krankenhausseelsorge, aber viele seien mit der Situation schlichtweg überfordert. „Der Verlust eines Kindes ist ein traumatisches Erlebnis. Die Betroffenen schreien ‚Nein’ und meinen ‚Ja’”, schildert sie ihre Erfahrungen. Oft würden getroffene Entscheidungen, wie die, auf ein Begräbnis zu verzichten, einen Tag später bereut.

Auch der Faktor „Geld” spielt eine Rolle. Für nicht bestattungspflichtige Kinder wird kein Sterbegeld gezahlt. Das bedeutet für Betroffene, dass sie die Bestattungskosten von etwa 2.000 Mark in voller Höhe tragen müssen. Ein Grund, ein Begräbnis abzulehnen, so Hölterhoff. „Nach christlicher Vorstellung ist ein Kind unter 500 Gramm ein Mensch und ein Geschöpf Gottes. Daher sollte die Möglichkeit zur nahezu kostenfreien Bestattung geschaffen werden”, bekräftigt er. Mit dem Gedenkplatz, wie er vom Kirchenkreis Eldingen auf dem Friedhof geschaffen worden ist (CZ berichtete), sei nur eine erste Hürde genommen. „Der für die Eltern schwierige Weg zur Bestattung ist damit nicht geebnet”, verdeutlicht der Superin-tendent.

Den Mitgliedern der Arbeitsgruppe ist es nun gelungen, die Kosten der Bestattung eines tot geborenen Kindes erheblich zu minimieren. Die Pathologie im AKH hat eine Möglichkeit geschaffen, Kinder, deren Beisetzung gewünscht wird, kostenfrei aufzubewahren. Ein Bestattungsunternehmen hat sogar angeboten, auf seine Bezahlung zu verzichten. Neben der kostenfreien Bestattungsmöglichkeit auf dem Friedhof der Kirchengemeinde Eldingen prüft derzeit die Kirchengemeinde Neuenhäusen, ob sie ebenfalls eine solche Grabstätte ausweisen kann.

„Es ist ermutigend zu erleben, bei wie vielen Institutionen und Unternehmen die Bereitschaft besteht, geschäftliche Interessen zugunsten der Menschlichkeit zurückzustellen”, ist Hölterhoff zuversichtlich, dass das Ziel der Arbeitsgruppe kurzfristig erreicht werden kann. Im August soll das fertige Konzept vorliegen, das betroffenen Eltern eine Möglichkeit der Trauerbewältigung bietet. Danach könnte es zweimal jährlich einen Trauergottesdienst mit Begräbnis tot geborener Kinder geben. „Selbstverständlich ist nach wie vor eine individuelle Bestattung möglich”, so Hölterhoff.

Cellesche Zeitung. 29. Juni 2001

 

 

BIELEFELD

Anonymes Kindergrab auf dem Sennefriedhof
Bestatter und Kliniken unterzeichnen Vereinbarung

Bielefeld (aut). Jedes Jahr werden in Bielefeld etwa hundert Kinder tot geboren. Bisher wurden die Tot- und Fehlgeburten wie Organe behandelt und über Spezialverbrennung „entsorgt”. Eine Bestattung gab es nur, wenn die Eltern dies wünschten, was aber nur selten geschah. Gestern haben Kliniken, Bestatter und Stadt nach langen Gesprächen eine freiwillige Vereinbarung unterzeichnet, nach der sie Föten in einem anonymen Kindergrab auf dem Sennerfriedhof unentgeltlich bestattet werden.

Angeregt hat die landesweit beispielhafte Zusammenarbeit für eine menschenwürdige Bestattung Prof. Dr. Ute Raute-Kreinsen, Pathologie-Chefärztin der Städtischen Kliniken Bielefeld-Mitte. Ihr widerstrebte schon lange, dass die Tot- und Fehlgeburten nicht bestattet wurden: „Diese kleinen Wesen sind als Mensch angelegt und besitzen für mich auch die Würde eines Menschen.”

Eine Bestattungspflicht gibt es in NRW bisher nicht. Deshalb drängte Raute-Kreinsen auf einen freiwilligen Vertrag zwischen Pathologen, Friedhofsdienst und Krematorien-Betriebs-GmbH, in denen die Bestatter vertreten sind, und dem städtischen Umweltbetrieb, der den Sennenfriedhof betreut. Alle Bielefelder Kliniken schlossen sich an und die Stadt, vertreten durch den Oberbürgermeister, übernahm die Patenschaft.

Auf einem rund 150 Quadratmeter großen, ruhig gelegenen Rasenstück im Südosten des Sennerfriedhofs wird das namenlose Grab eingerichtet, das die Mitarbeiter des Umweltbetriebes pflegen werden. Überführung und Bestattung tragen die Bielefelder Bestatter, vertreten durch Conrad Schormann, Günter Vormbock und Dieter Quisbrock. Raute-Kreinsen zeigte sich „tief beeindruckt von dem Engagement aller Beteiligten: Jetzt fehlt uns nur noch ein schöner Findling, der das Kindergrab ziert.”

Dr. Klaus Dumke, Pathologie-Chefarzt in Gilead, betonte aber auch, dass die Kliniken darauf hinwirken wollten, dass Eltern selbst für die Bestattung sorgen. Die Trauerarbeit setzt oft erst später ein. Dann sei es eine Beruhigung zu wissen, was mit dem Kind geschehen ist.

Bielefelder Zeitung NW, 29. Mai 2001  

 

 

NIEDERKALBACH

Kindergedenk- und Ruhestätte auf dem Friedhof in Niederkalbach von Weihbischof Professor Dr. Ludwig Schick eingeweiht

Ein Platz zum Trauern für die Eltern

Kalbach-Niederkalbach (FZ) „Wir haben einen Platz geschaffen, an dem Eltern trauern können”, sagte Tobias Möller, der Organisator eines außergewöhnlichen Projekts. Der zweite Vorsitzende der Niederkalbacher Kolpingfamilie initiierte eine Gedenk- und Ruhestätte für tot geborene Föten: Mit kirchlichem Segen wurde sie jetzt von Weihbischof Professor Dr. Ludwig Schick eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben.

Möllers Engagement für das Projekt wurde geweckt, als er vor drei Jahren von einer Gedenkstätte für Föten in Süddeutschland erfahren hat. Den 36-Jährigen ließ das Thema seither nicht mehr los. Normalerweise seien Föten „klinischer Abfall, der mit anderem organischen Abfall in die Verbrennung geht”, sagt der dreifache Vater, dessen Familie selbst nicht von einem solchen Schicksalsschlag betroffen ist. Grund dafür sei, dass Kinder erst ab 500 Gramm Gewicht bestattungspflichtig seien. Möller sei dieses Verfahren zuvor nicht bewusst gewesen und betroffene Familien „haben so schwer darunter gelitten, dass sie selbst nicht mehr in der Lage waren, etwas zu unternehmen”, sagte er. Der elterlichen Trauer will Möller mit seinem Projekt zukünftig einen Ort geben. Die Gedenk- und Ruhestätte sei dafür ein erster Schritt und ein äußeres Zeichen. Nachdem der Niederkalbacher das Projekt im Gemeinderat, bei den örtlichen Vereinen und den Kirchen ins Gespräch gebracht hat, „bemerkte man erst, wie viele Betroffene es überhaupt gibt”, erläuterte er. „Viele der Frauen im Ort hatten Fehl- oder Totgeburten. Platz zum Trauern hatten sie bislang aber keinen”, so Möller weiter. Um diesen Ort zu schaffen, waren viele Anstrengungen notwendig. Viel Überzeugungsarbeit hat Möller in Niederkalbach geleistet: Mittlerweile haben sich vom Gemeinderat über die katholischen und evangelischen Pfarrer bis hin zum Gemeinderat alle an dem Projekt beteiligt. Auch in den umliegenden Krankenhäusern stieß er auf offene Ohren.

Etwa 80 Gräber finden auf der Niederkalbacher Ruhestätte Platz. Grundsätzlich sei die Bestattung anonym. Es bestehe aber die Möglichkeit, den Namen des Kindes an einer Gedenktafel anzubringen. Kosten entstehen für den Grabaushub und einen Sarg. Da Kinder bis 500 Gramm nicht bestattungspflichtig sind, könne die Beisetzung wahlweise selber durchgeführt oder durch einen Bestatter übernommen werden.

Weihbischof Dr. Ludwig Schick weihte die Gedenkstätte in Niederkalbach mit einer ökumenischen Feier ein. Laut Schick entspreche die Schaffung eines eigenen Friedhofs für Totgeburten dem Anliegen vieler von einem solch schweren Schicksalsschlag betroffenen Eltern. „Einem Kind, das nicht lebensfähig ist, aber doch im Mutterleib gelebt hat, steht das Recht darauf zu, würdig beerdigt zu werden, wenn es die Eltern wünschen”, so Schick. Menschen, die das Grab ihres Kindes besuchen könnten, hätten bessere Chancen, mit ihrem Schicksal fertig zu werden, als Menschen, die diese Möglichkeit nicht hätten.

Fuldaer Zeitung, 30. Mai 2001

   

 

TRIER  

     

 

Ein Kind tanzt auf dem Grab
Studenten präsentieren Denkmal-Entwürfe für Kindergrabfeld

von ANDREAS FEICHTNER  

TRIER. Gute Ideen für wenig Geld? Die Fachhochschule hilft gern. Neun Studenten haben gestern ihre Entwürfe für das Kindergrabfeld auf dem Hauptfriedhof vorgestellt. Der Entwurf „Tanzendes Kind” wird umgesetzt.

Oliver Hengel erläutert, wie er sich die Gestaltung des neuen Kindergrabfeldes auf dem Hauptfriedhof vorstellt: „Ein Regenbogen. Der ist vorhanden, aber nicht greifbar – wie die Welt der Verstorbenen.” Der angehende Kommunikationsdesigner wird unterbrochen. Nicht nur einmal. Erst donnert ein Tiefflieger vorbei, dann warnt ein Martinshorn – und permanent dringt der Lärm von der nahe gelegenen Zurmaiener Straße. Kann man hier Ruhe finden?

Den Verkehrslärm kann Beate Brucksch vom Grünflächenamt nicht abstellen. Die Ingenieurin hat das „Kindergrab”-Projekt betreut. Und da Brucksch weiß, dass bei der klammen Finanzlage der Stadt nicht mit viel Geld für ein Kunstwerk auf dem Friedhof zu erwarten ist, hat sie sich zu helfen gewusst: Kreative Entwürfe können eben billig sein – wenn beispielsweise die Fachhochschule hilft. „Das lief ganz unbürokratisch”, freut sich die Projekt-Managerin über die Zusammenarbeit mit den Kommunikations-Designern. „Der Wunsch nach einem Entwurf für das Kindergrabfeld wurde als Semesterarbeit umgesetzt.” Neun Studentinnen und Studenten stellten gestern ihre Ideen zur Gestaltung des neuen Grabfeldes vor – von der stilisierten Knospe oder Pusteblume zur Sternentreppe reichte die Palette. Die Jury, die den besten Entwurf prämierte, kam nicht nur angesichts der tropischen Temperaturen ins Schwitzen: Nach langer Beratung entschlossen sie sich für den Entwurf „Tanzendes Kind” von Eun-Sen Sin.

„Das neu angelegte Grabfeld auf dem Trierer Hauptfriedhof ist speziell für Kleinkinder, Tot-, Früh- und Fehlgeburten”, sagt Brucksch. Totgeburten, die bei der Geburt weniger als 500 Gramm wiegen, müssen nicht beerdigt werden. „Nicht bestattungspflichtig” sagt der Jurist dazu, „Klinikmüll” der Zyniker. Mit der Neuanlage können auch solche Totgeburten erstmals in Trier einzeln bestattet werden. Noch nicht ganz geklärt ist die Finanzierung der Steinmetz-Arbeiten. Auf der Prioritätenliste der Stadt dürfte das Projekt nicht ganz oben stehen. Brucksch hofft daher, die Umsetzung des künstlerischen Entwurfs durch Spendengelder finanzieren zu können.

Trierer Volkszeitung, 1. August 2001  

 

Kindergrabfeld auch für Fehl- und Totgeburten

Ein Ort der Trauer und Erinnerung

Etwa ein Drittel aller Schwangerschaften endet traurig. Fehl- oder Totgeburten bedeuten für die betroffenen Eltern, die ihrem im Mutterleib heranwachsenden Kind oft schon einen Namen gegeben und sich auf ein Leben mit ihm gefreut hatten, einen unvorstellbaren Schock. Für die Klinik ist eine frühe Fehlgeburt dagegen häufig nur ein „Routinefall”. Trauerarbeit oder psychologische Beratung findet kaum statt. Oft ist die Vertröstung auf eine neue Schwangerschaft der einzige Zuspruch, der in Klinik und Alltag zu finden ist.

Neben dem Verlust, der Trauer und den Ohnmachtsgefühlen verzweifeln viele Mütter und Väter auch an den geltenden Bestattungsregeln. Nach dem Gesetz sind Kinder bis zu einem Gewicht von 500 Gramm nicht bestattungspflichtig, sondern können – und werden auch vielfach – wie Klinikmüll „entsorgt”. Zu der belastenden Erfahrung eines Abortes oder einer Totgeburt kommt dann noch dazu, dass die Mütter, die Eltern keine Möglichkeit haben, ihre Trauer über den Verlust etwa durch eine Bestattung des Fötus zum Ausdruck zu bringen.

Sammelbestattung in St. Matthias

In Trier, wo pro Jahr etwa 30 bis 50 Fehlgeburten registriert werden, gibt es seit 1998 die Möglichkeit, Fehlgeburten oder tot geborene Babys unter 500 Gramm im Rahmen einer Sammelbestattung auf dem Friedhof der Kirche St. Matthias beizusetzen. Zwei Mal im Jahr werden die Föten hier in einem Gemeinschaftsgrab im Beisein der Eltern bestattet. Für manche ist dabei der in der Regel mehrmonatige Abstand zwischen der Fehlgeburt und der Beisetzung ein Problem. Die psychische Verarbeitung des Verlustes, die nach Auffassung vieler Fachleute durch ein Trauerritual mit der Möglichkeit eines bewussten Abschiednehmens positiv beeinflusst werden kann, verzögert sich.

Seit diesem Frühjahr haben Betroffene die Möglichkeit, auf einem neu gestalteten Kindergrabfeld des Hauptfriedhofs nun auch Fehlgeburten unter 500 Gramm und Totgeburten „zeitnah” individuell beizusetzen. In Zusammenarbeit mit mehreren engagierten Bestattungsuntemehmen hat das städtische Grünflächenamt das Projekt, das es ähnlich auch in anderen deutschen Kommunen gibt, verwirklicht. Das neue Grabfeld wurde in Anlehnung an den alten Teil des Friedhofs in ovaler Form angelegt. Die beiden äußeren Ringe sind für Kinderreihengräber bestimmt. Der innere Ring ist für Fehl- und Totgeburten vorgesehen.

Kleiner Stein zum Gedenken

Die beteiligten Trierer Bestattungsunternehmen – richten „auf Wunsch eine Beisetzung der Fehlgeburten aus. Einmalig ist dabei wohl, dass sie dies ohne kommerzielles Interesse kostenlos tun. Im inneren Ring werden, wenn von den Eltern gewünscht, jeweils kleine Namenssteine an die verlorenen Kinder erinnern. Auch Eltern, deren Verlust schon länger zurückliegt und die keinen konkreten oder realen Ort der Erinnerung haben, haben die Möglichkeit, in einem symbolischen Akt einen Gedenkstein zu setzen und sich hier einen „Trauerort” zu schaffen.

In der Mitte des neuen Kindergrabfeldes soll eine Skulptur aufgestellt werden. Da die Beauftragung eines Künstlers zu kostspielig gewesen wäre, kam Projektleiterin Beate Bruksch vom Grünflächenamt auf die Idee einer Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Trier. Neun Studierende des Studiengangs Kommunikationsdesign erarbeiteten unter der Leitung von Prof. Anita Burgard jeweils zwei bis drei Entwürfe, die sie vergangene Woche vor Ort öffentlich präsentierten.

„Sternfigur” schmückt die Mitte

Dabei wurde deutlich, dass sich die Studierenden eingehend mit der Symbolik der von ihnen verwendeten Motive beschäftigt hatten. Immer wieder wurden in den kurzen Vorträgen Begriffe wie Hoffnung, Neuanfang, aber auch Verbindung und Übergang ins Jenseits genannt.

Die drei besten von vielen guten Entwürfen wurden von einer achtköpfigen Jury nach ausführlicher Beratung prämiert. Den ersten Preis und 300 Mark erhielt Sin Eun Sen für ihre an ein tanzendes Kind erinnernde „Sternfigur”. Die aus gelbem Sandstein gearbeitete Figur habe eine bewusst freundliche Erscheinung, so die Preisträgerin. Sie könne dazu beitragen, die Trauer zu überwinden und Hoffnung auf neues Leben machen. Eine Gruppe von Trierer Steinmetzlehrlingen wird sich bald um die Herstellung der Skulptur kümmern. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die beiden Arbeiten „Seepferdchen” und „Regenbogen” von Oliver Hengel.

frü/rk

Spendenaufruf
Für die Gestaltung des Kindergrabfeldes nimmt die Stadt Trier unter der Kontonummer 900001 bei der Sparkasse Trier (BLZ 58550130), Stichwort „Kindergrabfeld”, Spenden entgegen

Rathaus-Zeitung Trier, 7. August 2001

 

               

 

Arrangement bei der Bestattung einer Fehlgeburt

 

                   

   

 

 

HANAU

  Das „Ökumenische Kindergrabmal“ in Hanau

    

 

                                                                                   

 

Junge Tischler fertigen Särge für Kinder Schule hilft dem Projekt Kindergrabmal

Hanau (ed) – Eine in Deutschland wohl einmalige Kooperation sind das ökumenische Projekt „Kindergrabmal” und die Schreinerklasse der Ludwig-Geißler-Schule eingegangen. Die Schüler haben im Rahmen des Unterrichts Särge entworfen und gebaut, die zur Beisetzung totgeborener Kinder, für die keine Bestattungspflicht besteht, benutzt werden können.

Die Kooperation schließt für die evangelischen und katholischen Klinikseelsorger Beate Kemmler, Karl Friedrich Schüttler und Werner GutheiI eine Lücke in der Betreuung von Eltern, die ein Kind im frühen Stadium der Schwangerschaft verloren haben. Die Särge können von den Eltern individuell bemalt oder ausgestattet werden, auch Grabbeigaben sind möglich. Dies trage dazu bei, dass Eltern den Trauerprozess besser bewältigen könnten.

Entwerfen und Tischlern von Särgen ist für angehende Schreiner keine übliche Beschäftigung. Die handwerkliche Arbeit hat der Pfarrer und Religionslehrer Wolfgang Bauer im Unterricht mit den 15 bis 18 Jahre alten Schülern intensiv vorbereitet. Sie führten Gespräche mit Klinikseelsorgern, schauten sich das neu entstandene Kindergrabmal auf dem Hanauer Hauptfriedhof an. Dort werden seit Herbst des vergangenen Jahres Fehl- und Totgeburten beigesetzt, die weniger als 500 Gramm wogen. Bislang wurden diese Kinder anonym „entsorgt”.

Für die Jugendlichen selbst sei es ein sehr persönlich berührendes Gefühl gewesen, Behältnisse zu schreinern, in denen einmal ein kleiner Mensch liegen werde, der nie richtig gelebt habe, sagten sie gestern bei der Vorstellung ihrer Arbeiten. Erfahrungen in der eigenen Familie brachten die angehenden Schreiner in das Projekt ein, sie diskutierten ethische Fragen über den Beginn menschlichen Lebens, über Sterben und Tod, sagte Schulpfarrer Bauer.

Mit ihren Entwürfen haben die Schüler versucht, sich von der Form üblicher Särge zu trennen. Zwei Typen sind übrig geblieben, ein Würfel und ein sechseckiger Behälter. Beides gibt es in unterschiedlichen Größen und mit verschiedenen Ausstattungsdetails. So verwenden die Berufsschüler die Form des Sterns, die die Gestaltung des Kindergrabmals bestimmt, als Motiv beim Deckel der Särge.

In Kürze abgeschlossen werden sollen nach Angaben von Klinikpfarrer Gutheil Verhandlungen mit der Stadt über die rechtliche Verankerung der Bestattungen auf dem Kindergrabmalfeld. Neben den bisher üblichen gemeinschaftlichen Bestattungen aller pro Quartal tot- oder fehlgeborenen Kinder, soll es künftig auch individuelle Bestattungen geben, kündigte Gutheil an.

Die nächste Beisetzung erfolgt am Mittwoch, 4. April. Treffpunkt ist direkt am Kindergrabmalfeld. Eltern sind anschließend in das Gemeindehaus der Kirchengemeinde St. Josef, Alfred-Delp-Straße, eingeladen. Erstmals den Eltern mitgegeben werden nach der Beisetzung Windlichter, die der Lehrer Walter Fischer von der Ludwig-Geißler-Schule bemalt hat.

Hanauer Post, 30.3.2001

 

Achteck als Symbol für die Ewigkeit
Ungewöhnliches Projekt: LGS-Schüler bauen Särge für Projekt „Kindergrabmal”

Hanau (ni). – Ein Achteck ist das Symbol für die Unendlichkeit, für die Ewigkeit. Und ein Stern symbolisiert für viele den Sternenhimmel und damit den Ort, an dem Menschen nach ihrem Tod aufgehoben sind. An diese Symbolik dachten die Jugendlichen im Ausbildungsbereich Holztechnik der Ludwig-Geissler-Schule (LGS) in Hanau, die sich derzeit mit einem sehr ungewöhnlichen Projekt auseinander   setzen.

In ihrer Lehrwerkstatt konstruieren und bauen sie kleine Kindersärge, die für Fehl- und Totgeburten verwendet werden. Das Projekt entstand in Verbindung mit dem ökumenischen Projekt „Kindergrabmal Hanau”, das es seit Herbst vergangenen Jahres gibt. Dieses Projekt ermöglicht es Eltern von totgeborenen Kindern, die Grabstätte ihres Kindes zu besuchen. Für die betroffenen Menschen ist somit ein konkreter „Ort der Trauer” geschaffen worden.

In Deutschland sind bisher Fehl- und Totgeburten bis 500 Gramm nicht bestattungspflichtig. Im Regelfall werden sie anonym „entsorgt”. Doch seit einigen Jahren wachsen das Bewusstsein und die Sensibilität dafür, dass es für Eltern wichtig ist, Gewissheit zu haben, dass ihr Kind beerdigt wurde und nicht einfach irgendwo „entsorgt” worden ist, so Klinikpfarrer Werner Gutheil. Deshalb stellte die Stadt Hanau für das Projekt eine Grabfläche auf dem Hanauer Hauptfriedhof zur Verfügung, wo betroffene Eltern ihre Kinder bestatten können.

Im Herbst vergangenen Jahres erhielt nun die LGS eine Anfrage von den Hanauer Städtischen Kliniken, ob die Holzabteilung bereit wäre, dieses Projekt in Form des Baus kleiner Särge zu unterstützen. Zunächst wurde das Thema intern in der Schule besprochen und auch den Jugendlichen vorgestellt.

Daraufhin fiel die Entscheidung, dem Projekt zuzustimmen. Für die Schüler keine leichte Aufgabe, schließlich mussten sie sich durch ihre Arbeit an den Kindersärgen auch selbst mit der schwierigen und traurigen Thematik des frühen Todes auseinandersetzen. Doch die Jugendlichen sind mit sehr viel Ernsthaftigkeit und Sensibilität bei der Sache, von dem Gedanken geprägt, dass sie mit ihrer Arbeit einen Beitrag zur Trauerbewältigung der betroffenen Eltern leisten können.

Neben der praktischen Arbeit in der Werkstatt wird die Thematik Tod im Fachbereich Religion/Ethik auch durch Projektstunden unter dem Thema „Der Tod hat viele Gesichter” aufgegriffen. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen, Gefühle und Gedanken, die durch die Arbeit an den kleinen Särgen hervorgerufen werden. Nicole, eine 19-jährige Schülerin der Klasse, äußerte in diesem Zusammenhang: „Es ist ein komisches Gefühl wenn man sich überlegt, dass wir hier Särge bauen, in denen bald kleine Menschen liegen werden, die noch nie richtig gelebt haben.” Solche Gedanken werden dann im Unterricht aufgegriffen und diskutiert.

Die bereits fertiggestellten Arbeiten wurden kürzlich auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Die verschiedenen Särge, deren Deckel als Blume, Stern oder mit anderen Symbolen gestaltet sind, haben die Jugendlichen unter Einbringung eigener Ideen angefertigt. Sie können von betroffenen Eltern auch noch selbst ganz individuell gestaltet und bemalt werden.

Damit dieses Projekt in der LGS wie geplant wiederholt werden kann, werden Spender gesucht, die diese Aktion unterstützen. Spenden können unter dem Stichwort „Kindergrabmal-Särge” auf das Spendenkonto bei der Commerzbank Hanau, Kontonummer: 23 11777/70, Bankleitzahl: 506 400 15, überwiesen werden.

Hanauer Anzeiger, 31.3.2001

 

WORMS

Begräbnisstätten für Totgeburten

Begräbnisstätte für tot- und fehlgeborene Kinder ist am Mittwoch auf den Stadtfriedhof Worms der Öffentlichkeit vorgestellt worden. In Landau gibt es seit Jahresbeginn eine Sammelgrabstätte für Totgeburten, die erste Bestattung soll demnächst erfolgen.

Ein geschärftes Gewissen mahne, den früh verstorbenen Kindern endlich mehr Ehre zu erweisen, als dies bisher weithin geschehen sei, sagte der Wormser evangelische Pfarrer Hannes-Dietrich Kastner bei der Übergabe eines Gedenksteins. Die Begräbnisstätte gehe auf Anregung der bundesweiten Initiative Regenbogen zurück, die sich für die Bestattung tot- und fehlgeborener Kinder einsetze, so Kastner.

Auf der Begräbnisstätte, auf der bereits im März ein Sarg mit tot- und fehlgeborenen Kindern beigesetzt wurde, sollen Kastner zufolge künftig tote Kinder mit einem Körpergewicht unter 500 Gramm aus dem evangelischen Krankenhaus Hochstift und dem der Mainzer Universität angegliederten Stadtkrankenhaus beigesetzt werden. Die Kosten für die Bestattungen trügen die Krankenhäuser. Nach dem Bestattungsgesetz des Landes Rheinland-Pfalz besteht für gestorbene Kinder unter dieser Gewichtsgrenze keine Bestattungspflicht. Sie werden üblicherweise von den Krankenhäusern als humaner Abfall entsorgt.

In der Sammelgrabstätte in Landau werden totgeborene Kinder aus den Krankenhäusern in Kaiserslautern (Westpfalz-Klinikum), Kirchheimbolanden, Neustadt, Landau, Kandel und Pirmasens beigesetzt. Nach Angaben von Helga Beisel von der Regenbogen-Regionalgruppe Landau/Speyer haben die Krankenhäuser in Germersheim und Speyer (Diakonissen) eigene Sammelgrabstätten. Das Mainzer Sozialministerium erklärte, durch eine Gesetzesnovelle sei 1996 die Bestattungspflicht für tote Kinder von 1000 auf 500 Gramm gesenkt worden, um die Grenzen für eine Bestattung sehr weit zu ziehen.

Kontakt: Regenbogen-Regionalgruppe, Helga Beisel, Fuchsbachweg 1,
67378 Zeiskam, 06347/455. @ Internet: www.initiative-regenbogen.de

Südwestdeutsche ZEITUNG, Die Rheinpfalz – Nr. 120
Freitag, 25. Mai 2001

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Einwurf
Unteilbare Würde  

Die Initiative Regenbogen kümmert sich seit 1983 engagiert und verständnisvoll um Eltern, die ein Kind durch Fehl-, Tot- oder Frühgeburt verloren haben.

Vor drei Jahren legte Regenbogen bei einem sensiblen Thema den Finger auf die Wunde: Die Öffentlichkeit reagierte empört, als bekannt wurde, dass totgeborene Kinder in vielen Kliniken „entsorgt” und nicht bestattet wurden. Regenbogen blieb hartnäckig. 1999 wurde mit dem Klinikum Hanau eine Regelung getroffen, die eine generelle Bestattung aller fehl- und totgeborenen Kinder vorsieht. Inzwischen gibt es hierzu auch eine Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft. In der Region hat es die Initiative jetzt mit viel Überzeugungsarbeit geschafft, dass der menschlichen Würde totgeborener Kinder Rechnung getragen wird. Und zwar ohne dass dabei Gewichtsgrenzen zum Maßstab werden. Würde kann man nicht wiegen, sie hat immer Gewicht. (ros)

Südwestdeutsche ZEITUNG, Die Rheinpfalz – Nr. 120
Freitag, 25. Mai 2001

 

Göppingen

Klinikseelsorge im Kreis Göppingen kultiviert einstiges Tabuthema
Frühchenbestattung erleichtert Trauerarbeit

von Leonhard Fromm

Ein Gräberfeld für ungeborenes Leben, so genannte Frühchen, auf dem Göppinger Friedhof erleichtert betroffenen Eltern die Trauerarbeit. Bei der ersten Bestattung vor wenigen Wochen nahmen mehr als 25 Elternpaare Abschied von ihren Babys, die keine Chance zum Leben hatten.

„Ich brauche den Ort zum Trauern”, sagt Alexandra Wilhelm aus Wäschenbeuren. Im August hatte sie ihr Kind in der 19. Schwangerschaftswoche verloren. „Für mich verliefen diese Tage wie im Film”, sagt die 30-Jährige. Bernd und Alexandra Wilhelm hatten sich so sehr auf das ersehnte Wunschkind gefreut.

Trost spendet den verwaisten Eltern die Trauerkultur, die seit zehn Jahren an der Göppinger Kreisklinik entwickelt wurde und nun mit der Einweihung eines Gräberfeldes für Frühchen auf dem Göppinger Friedhof ihren vorläufigen Abschluss gefunden hat. In einer Gemeinschaftsurne werden hier die Kinder beigesetzt, die zuvor im Kreißsaal eben nicht das Licht der Welt erblickt haben. Jeweils sechs Monate werden diese in der Pathologie gesammelt und zweimal im Jahr von den Seelsorgern der ökumenischen Klinikseelsorge bestattet.

Bis vor drei Jahren wurden diese Kinder einfach beseitigt, wenn sie unter 500 Gramm wogen. „Es kann doch nicht sein, dass wir einerseits Kinder ab 600 Gramm hochpäppeln und andererseits solche Kinder wie Müll entsorgen”, sagt Klinikseelsorger Erich Karp, der lange um das Gräberfeld gekämpft hatte.

Immer wieder zu solchen Notsituationen in den Kreißsaal gerufen, versuchte er seit zehn Jahren das Thema zu Enttabuisieren und den zu früh verstorbenen Kindern mit mehr Würde zu begegnen. Das erleichtere auch die Trauer betroffener Eltern, so der Seelsorger, die häufig den Wunsch nach Bestattung ihrer verlorenen Kinder geäußert hätten. Ein erster Schritt in diese Richtung erfolgte vor fünf Jahren. Seither hält die Klinikfotografin alle Totgeburten in Bild fest. Die Hebammen nehmen Abdrücke von Händchen und Füßchen und behalten gelegentlich eine Haarlocke für die Eltern.

„Mir hat das ungemein geholfen”, sagt Alexandra Wilhelm, die die Fotos stets bei sich trägt und häufig betrachtet. Die Trauerkarte, die ihr das Klinikpersonal überreichte, zeigt haarscharf die Millimeter kleinen Fußabdrücke ihres 120 Gramm leichten Töchterchens Marie-Sophie. Zusammen mit rund 25 anderen Paaren waren Alexandra und Bernd Wilhelm unter den Trauernden, die der ersten ökumenischen Bestattung im Gemeinschaftssarg beiwohnten.

„Erst wollten wir eine Individualbestattung in Wäschenbeuren, aber da hätten wir uns mit Gebühren, Grabfristen und Behördendetails herumschlagen müssen, wofür uns einfach die Kraft fehlte”, sagt Bernd Wilhelm. Die Gemeinschaftslösung biete mehrere Vorteile: Vor allem komme man mit Leidensgefährten zusammen, zudem sei man nicht 15 Jahre lang durch regelmäßige Grabpflege gezwungen, sich ständig an den schmerzlichen Verlust erinnern zu müssen. Die Grabpflege übernimmt die Klinikverwaltung, die wöchentlich eine frische Blumenschale aufs Gräberfeld stellt.

Sonntagsblatt, o.A.



Greiz

Ein Platz des stillen Abschiednehmens
Trauerfeier für nicht lebensfähiges Leben

Greiz (OTZ/Frd.) Zum ersten Mal findet am kommenden Freitag, dem 21. November, 14.30 Uhr, eine öffentliche Gedenk- und Trauerfeier für Fehl- und Totgeburten auf dem Städtischen Friedhof Greiz statt. Auf Initiative der Kreiskrankenhaus GmbH und der Greizer Evangelischen Kirche wurde ein Ruhestätte für dieses nicht lebensfähige Leben auf dem Greizer Hauptfriedhof geschaffen. Der beeindruckende Stein wurde von der Greizer Steinmetzfirma Kahnt in Form gebracht und aufgestellt. Hier können Mütter, die während der ersten Wochen ihrer Schwangerschaft ihre Kinder verloren haben, diese kostenlos beerdigen lassen. „Die Kirche aus zutiefst humanitären Gründen und wir als Kreiskrankenhaus GmbH haben uns aus dem am Patienten orientierten Qualitätsmanagement heraus zur gleichen Zeit mit diesem Gedanken getragen”, so Geschäftsführer Hans-Georg Hunger.

Bereits 2002 unterzeichnete er mit Superintendent Andreas Görbert im Beisein des Klinikseelsorgers Hermann Rose einen entsprechenden Vertrag. Görbert unterstrich damals, dass dieses Angebot der Kirche unabhängig sei von der Mitgliedschaft in einer Kirche. Hintergrund sei, dass viele Frauen einen physischen und seelischen Schock wegen des Verlustes ihres Kindes erleiden und darüber nicht reden können, aber Abschied nehmen und einen Platz des stillen Gedenkens haben möchten. Hans-Georg Hunger hob hervor, dass eine solche Bestattung völlig in der Entscheidungsfreiheit der Frau liege, die keinesfalls zur Nutzung des Angebotes überredet werden soll.

Am Freitag wird dem bereits zuvor beigesetzten nicht lebensfähigen Leben in der Friedhofshalle mit Pfarrer Hermann Rose gedacht, anschließend kann die Grabstätte aufgesucht werden.

OTZ, Sonnabend, 15. November 2003

 

Stendal

Für den Abschied ohne Begrüßung.
Denkmal auf Stendals anonymem Kindergrabfeld enthüllt.

Es ist ein Ort, an dem Eltern von Kindern Abschied nehmen können, denen durch das Schicksal die Begrüßung auf dieser Welt versagt worden ist. Gestern wurde auf dem Stendaler Friedhof feierlich ein Gedenkstein auf dem anonymen Kindergrabfeld enthüllt.
VON HANS-Joachim WICHT

STENDAL. „Trauer lässt sich nicht an Größe und Gewicht festmachen." Dr. Stefan Henschen, Chefarzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Stendaler Johanniter-Krankenhaus, sprach gestern denen aus dem Herzen, die genau diese Trauer-Erfahrung hatten machen müssen. EItern, die ein sehr kleines Kind verloren haben.
Während die Angehörigen anderer Verstorbener auf den Friedhöfen zumindest ein Grab, eine feste Stätte des Erinnerns und der Trauer vorfinden, gab es Vergleichbares für die Eltern tragischer Fehl- und Frühgeburten bisher in Stendal nicht, machte Klinikseelsorgerin Angelika Beyer gestern deutlich.
Bisher.
Seit gestern bietet ein Gedenkstein auf dem neu geschaffenen anonymen Kindergrabfeld. auf dem Stendaler Friedhof genau diese bisher so schmerzlich, vermisste Stätte.
In einem feierlichen Akt wurde gestern Nachmittag der Stein und damit die Gedenkstätte eingeweiht; kurz darauf gab es in sehr engem Rahmen auf dem Gräberfeld die erste Beisetzung.
Zu verdanken ist die Trauer- und Gedenkstätte der Initiative von Klinikseelsorgerin Angelika Beyer und dem Engagement betroffener Eltern. Wie die Seelsorgerin gestern während der Einweihungsfeier sagte, habe die Initiative in der Friedhofsverwaltung und im Bauamt der Stadt sehr große Unterstützung für das Vorhaben erfahren.
Zusammen mit dem Stendaler Künstler Herbert Martin sei dann Motiv und Inschrift entworfen worden.
„Getragen in den Armen des Herzens – Unendlich der Schmerz und die Liebe."
Die Ausführung des vier Zentner schweren Sandsteindenkmals lag in den Händen von Steinmetzmeister Hans-Benno Meyn.
Wie sagte gestern Seelsorgerin Angelika Beyer: „Ein würdiger Ort für einen Abschied ohne Begrüßung."

o.A., 24. November 2001

 

Landau

Ein Ort für trauernde Eltern
Ergreifende Feierstunde zur Einweihung überregionaler Fötengrabanlage

Einen Ort für Trauernde um Leben, das vor, während oder kurz nach der Geburt endete, gibt es seit gestern in Form eines eigenen Grabfeldes auf dem Landauer Hauptfriedhof.
 


FOTO: Grabanlage

Nach einer ergreifenden Feierstunde enthüllten Beigeordneter Hans-Joachim Kreisel und Helga Beisel von der „Initiative Regenbogen, Glücklose Schwangerschaft e.V." den Gedenkstein, der die neu errichtete, überregionale Fötengrabanlage kennzeichnet. Sieben Kliniken – das Vinzentius Krankenhaus und das Städtische Krankenhaus Landau, die Asklepios-Klinik in Kandel, das Hetzelstift in Neustadt, das Städtische Krankenhaus Pirmasens, das Westpfalzklinikum in Kaiserslautern und das Kreiskrankenhaus in Kirchheimbolanden – und die mit ihnen zusammen arbeitenden Pathologien beteiligen sich an einer bundesweiten Aktion der „Initiative Regenbogen", eine würdige Bestattung tot geborener, nicht bestattungspflichtiger Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 500 Gramm zu ermöglichen.
Eigene Grabstätten bestehen bereits für das Diakonissenkrankenhaus in Speyer und die Asklepios-Klinik in Germersheim, in Vorbereitung ist eine solche Grabstätte auch für das Städtische Krankenhaus in Frankenthal.
Der Friedhofsdezernent begrüßte zahlreiche Funktionsträger aus Politik und Verwaltung sowie der evangelischen und katholischen Kirche. Er dankte vor allem Stadträtin Susanne Moser, die nach einem Fernsehbericht über die „Entsorgung humanen Klinikabfalls", zu dem auch die Früh- und Fehlgeborenen zählen, Stadtvorstand und Stadtrat aufforderte, im Sinne der Achtung der Menschenwürde eine entsprechende Grabstätte einzurichten, und somit den Stein ins Rollen brachte.
Unter dem weißen Sandstein in Form eines Regenbogens, gestaltet und gestiftet von Steinmetz Markus Cavalar, werden zweimal jährlich die Föten der beteiligten Kliniken bestattet. Die Kosten der Kremierung und die Urnenbeisetzung trägt die Krematorium GmbH unter der Geschäftsführung von Joachim Reber, die Pflege der Grabanlage übernimmt die Landauer Friedhofsdienst GmbH.
Die ökumenischen Trauerfeiern werden jeweils von den beiden Landauer Dekanen Rudolf Ehrmantraut und Klaus Armbrust gestaltet. Beide betonten gestern die Selbstverständlichkeit dieses Einsatzes, mit dem die Kirchen die Initiative unterstützen. Mit den Worten: „Trauer braucht einen Ort,... und wer die Toten ehrt, ehrt auch die Lebenden" drückte Ehrmantraut seinen Respekt und Dank an Helga Beisel, die viel Zeit in lange Gespräche investierte, um besonders die Kliniken von der Idee und Durchführbarkeit der Initiative zu überzeugen.
Beisel sprach als Leiterin der Landauer Selbsthilfegruppe „Leere Wiege", die als Regionalgruppe der Initiative Regenbogen angeschlossen ist, im Namen aller betroffenen Eltern allen herzlichen Dank aus, die durch Geld-, Sach- und Materialspenden zu Errichtung und Unterhalt der Grabanlage beigetragen haben. Besonderer Dank galt Klaus Braun, der die Würde der Feier in der Trauerhalle durch seine einfühlsame musikalische Untermalung an der Vera-Warstat-Orgel ergänzte. (srs)
Die Rheinpfalz, 30. August 2002

 

 

Nürnberg

 

 

 

Mainz

„Sternengarten“   
Letzte Ruhestätte für fehl- und frühgeborene Kinder

Sterne die nie verblassen

           

Vorstellung des Sternengartens durch Umweltdezernent Wolfgang Reichel

In einem feierlichen Akt, im Rahmen des Tag des Friedhofs in Mainz, am 25. September 2004, wurde der Sternengarten als neue Grabanlage für nichtbestattungspflichtige Feten seinem Zweck übergeben. Der Sternengarten ist ein Grabfeld für Kinder, die sterben bevor sie geboren werden und nicht der Bestattungspflicht unterliegen.

Eltern finden hier einen Platz für ihr Kind und einen Ort für ihre Trauer. Auch Eltern, deren Verlust schon länger zurückliegt und die keinen realen Ort des Gedenkens haben.

Ein Sternengarten, in dem Tränen, Trauer, Wut und viele andere Gefühle ihren Raum haben.
Ein Sternengarten, in dem die Erinnerung nahe sein und der Blick in die Zukunft wandern kann.
Ein Sternengarten, in dem ich spüre, ich bin nicht allein.

Die Namensgebung erfolgte in Anlehnung an eine Passage aus dem Kleinen Prinzen von Antoine de Saint Exupéry.

 „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen  lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können.“ Und er lachte wieder. „Und wenn du dich getröstet hast (man tröstet immer), wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst mein Freund sein. Dur wirst Lust haben, mit mir zu lachen ….“

Das gemeinschaftliche Grabmal bietet Eltern die Möglichkeit anhand von sternenförmigen Namensschildern ihrer Kinder zu gedenken; auch als Memento, wenn der Trauerfall nicht mit einer aktuellen Beisetzung in Verbindung steht.

Zweimal im Jahr, immer am ersten Donnerstag im Mai und November um 14.30 Uhr, findet eine gemeinsame Bestattung der Kinder statt. Individualbeisetzungen sind nach wie vor möglich. Eltern sind dabei eingeladen, zusammen mit den Seelsorgerinnen und Seelsorgern der Mainzer Kliniken, die Trauerfeier für ihre Kinder mitzugestalten.
Im Anschluss an die Trauerfeier gibt es eine Begegnungsmöglichkeit begleitet vom Verein
Trauernde Eltern Rhein-Main e.V., welcher dieses Projekt mit großem Engagement unterstützt hat.

Viele Institutionen gemeinsam haben die Schaffung des Sternengartens ermöglicht. Mitglieder der Fachgemeinschaft Friedhof Mainz übernahmen die Kosten der gärtnerischen Arbeiten, der Erstellung des Grabmals und beteiligen sich an den Kosten der Bestattung. Zur Verfügung gestellt und gestaltet wurde die Fläche vom Eigenbetrieb Friedhofs und Bestattungswesen.
Umweltdezernent Wolfgang Reichel betonte in seiner Ansprache, es sei ein großes Anliegen der Stadt, den Eltern eine kostenfreie Bestattung ihrer Kinder zu ermöglichen.

 

Die Zukunft endete bevor sie beginnen konnte

Erste Beisetzung im „Sternengarten“

 

                   

                               

In einer ergreifenden Trauerfeier am 4. November 2004 wurden auf dem Mainzer Hauptfriedhof über hundert fehl- und frühgeborene Kinder bestattet. An der Beisetzung  nahmen über 50 Menschen teil. Menschen deren Verlust gegenwärtig ist oder schon längere Zeit zurückliegt. Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde nahmen Abschied von ihren Kindern.

 

Jeanette Wetterling, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit Wirtschaftsbetrieb Mainz

 

 

 

Über den Broschürenversand ist eine Liste der uns bekannten  Grabfelder/Gedenkplätze zum Unkostenbeitrag von Euro 3,00 zu beziehen.

   

 

© Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft" e.V. ®

aktualisiert 08/08