Ursachen und Hintergründe

für eine Fehlgeburt, eine Totgeburt oder eine Frühgeburt mit Todesfolge

 

* Chromosomenstörungen
Es gilt heute als sicher, dass Chromosomenanomalien (Trisomien, Tri- und Tetraploide) die häufigste Ursache für eine Fehlgeburt darstellen, ohne dass chromosomale Veränderungen bei den Eltern nachgewiesen sein müssen. Diese finden sich nur in 5 bis 7% der Fälle. Häufig kommt es bei Chromosomenstörungen zur Entwicklung von sog. "Abortiveiern"= "Windeiern". Hierbei wächst die Schwangerschaft zunächst normal. Es wächst jedoch nur die Fruchthöhle weiter, nicht der Embryo. Dies führt zu einer frühen Fehlgeburt oder einer verhaltenen Fehlgeburt.


Diabetes mellitus
"Zuckerkrankheit". Durch einen Mangel an dem Hormon Insulin kommt es zu erhöhten Zuckerspiegeln, im Blut, die wiederum zu weiteren Komplikationen führen können. Der
Schwangerschaftsdiabetes tritt bei Frauen auf, die vorher nicht an einem Diabetes erkrankt
waren, und verschwindet in der Regel nach der Schwangerschaft. Eine gute
Stoffwechseleinstellung mit Insulin ist sehr wichtig, da es sonst zu Fehlgeburten, Totgeburten, Frühgeburten und einer Gestose ("Schwangerschaftsvergiftung") kommen kann.

* Extrauterin-Gravidität
Einnistung des Eis und Entwicklung des Föten im Eileiter.

Fehlbildungen
Das Kind stirbt aufgrund von Fehlbildungen im Mutterleib oder kurz nach der Geburt. Diese
können vielfältiger Art sein, es empfiehlt sich ein Besuch auf der Seite des Kindernetzwerks
(www.kindernetzwerk.de), die über viele Arten der Behinderung informieren.

* Gebärmutterfaktoren
Angeborene Uterusmissbildungen (Uterus unicornis, Uterus duplex, Uterus bicornis) sind mit 0,5% relativ häufig. Sie entstehen zumeist durch eine inkomplette Verschmelzung von Organanlagen in der Embryonalzeit. Bei leichten Verlaufsformen kommt es zur Ausbildung einer kleinen Scheidewand in der Gebärmutter (uterus subseptus, häufigste Form) bis zur doppelten Anlage (Uterus bicornis), in schwereren Fällen besteht eine vollständige Trennung der rechten und der linken Hälfte des Uterus mit einer Scheidewand, die bis in die Scheide reicht (Uterus septus duplex cum vagina septa). Die Folgen. Je nach Ausprägung der Fehlbildung kann diese zu Menstruationsstörungen, Fehlgeburten und Frühgeburten bis hin zur Unfruchtbarkeit führen. In einigen Fällen ist jedoch eine Operation der Fehlbildung möglich, die dann erfolgreiche Schwangerschaften ermöglicht. Weitere Faktoren der Gebärmutter sind Verwachsungen nach Infektionen, gutartige Tumore (Myome) oder eine Schwäche des Gebärmutterhalses. Diese wird bei 10% der Frauen mit habitueller Abortneigung beobachtet.

Gestose / Schwangerschaftsvergiftung / HELLP-Syndrom
Hierfür gibt es keine speziellen Ursachen, jedoch können immunologische Ursachen durchaus zu einer dieser Erkrankungen führen. Weitere Möglichkeiten sind Nährstoffmangel, durchaus zu einem früheren Zeitpunkt vor oder während der Schwangerschaft und Neigung zu Thrombose. Kennzeichen dieser Erkrankungen können Wassereinlagerungen in Händen, Beinen und Füßen, erhöhter Blutdruck, Eiweiß im Urin oder Plazentastörungen sein. Das HELLP-Syndrom ist an deutlich verschlechterten Blutgerinnungswerten, bestimmten Leberwerten sowie massiven Oberbauch- und häufig auch Rückenschmerzen erkennbar. Die letztendliche Diagnose stellt der Arzt u.a. durch entsprechende Laborwerte.

Grünes Fruchtwasser
Eine Grünfärbung des Fruchtwassers weist auf eine Stress-Situation des Fetus hin. Durch eine Mangelversorgung kommt es zu einem vorzeitigem Abgang von Stuhl (Mekonium), der dann das Fruchtwasser grün färbt. Grünes Fruchtwasser kann man durch eine Fruchtwasserspiegelung (Amnioskopie) feststellen. Wird das verfärbte Fruchtwasser vom Kind aspiriert, kann es zu intrauterinem Fruchttod oder einer Lungenentzündung mit Todesfolge führen.

* Hormonelle Faktoren
Es gibt eine Vielzahl von hormonellen Unregelmäßigkeiten, die zu Fehlgeburten führen können. Die Corpus luteum-Insuffizienz ist eine Schwäche des Gelbkörpers im Eierstock. Es wird zuwenig Progesteron gebildet. Das Progesteron gilt als das „schwangerschaftserhaltende" Hormon. Auch Schilddrüsenstörungen werden für ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko verantwortlich gemacht. Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann über den Regulierungskreis der Hirnanhangsdrüse zu Veränderungen der Hormonkonzentration führen, die den Eisprung regeln. Wird eine Frau trotz

Schilddrüsenstörung schwanger, kann dies Fehlgeburten, Totgeburten und schwere Behinderungen des Kindes auslösen. Eine Erhöhung des Prolaktins, des Hormons, das unter anderem für die Milchbildung zuständig ist, kann zu verschiedenen Störungen der Eierstockfunktion führen. Dies wiederum kann Unfruchtbarkeit oder Fehlgeburten bedingen. Auch ein Zuviel an männlichen Hormonen (Hyperandrogenämie) führt zu Funktionsstörungen des Eierstockes und bedingt ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko. Eine weitere Folge der erhöhten männlichen Hormonwerte ist das "Syndrom der polyzystischen Ovarien (PCO). Eine entgleiste Stoffwechsellage bei der Zuckerkrankheit (Diabetes melitus), bei der ein Insulinmangel vorliegt, und Störungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), z.B. durch Tumore, können ebenfalls zu Fehlgeburten führen.

* Infektionen
Infektionen spielen vor allem bei einmaligen Fehlgeburten eine Rolle. Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten können in der Schwangerschaft eine Schädigungen des Kindes und Fehlgeburten bewirken. Zu den mittlerweile bekanntesten Infektionen gehören Herpes simplex, Toxoplasmose, Listerien, Hepatitis, Zytomegalie, Varizellen, Mykoplasmen und Chlamydien. Ein in der Scheide aufsteigender Infekt kann zu einer Gebärmutterhalsschwäche und nachfolgenden Blasensprung/Fehlgeburt führen. In jüngster Zeit hat man herausgefunden, dass Fieber mit Temperaturen über 39,5° in der Frühschwangerschaft zu einer erhöhten Fehlgeburtsrate führen kann. Die meisten Infekte in der Schwangerschaft, z.B. Schnupfen, leichte Grippe oder Magen-Darm-Infekte sind jedoch harmlos und belasten die Schwangerschaft nicht. Als Vorsichtsmaßnahme kann man sich gegen bestimmte Erkrankungen impfen lassen (Hepatitis A und B, Röteln), sollte Katzen meiden, wenn man keine Antikörper gegen Toxoplasmose im Blut hatte und rohe Lebensmittel, dievon Tieren stammen (Hackfleisch, Mett, Mettwurst), nicht zu sich nehmen. Harnwegsinfekte während der Schwangerschaft sollten antibiotisch behandelt werden.

Intrauteriner Fruchttod "IUF"
Geburt eines toten Kindes mit einem Gewicht über 500 g. Die häufigste Ursache ist eine
sogenannte Plazentainsuffizienz, also die mangelnde Fähigkeit des Mutterkuchens, das Kind zu ernähren. Diese Plazentainsuffizienz kann wiederum durch eine Vielzahl von Erkrankungen, u.a. auch Stress, hervorgerufen werden.
Weitere Ursachen sind Nabelschnurkomplikationen, die Zuckerkrankheit (die auch erstmalig während der Schwangerschaft auftreten kann), Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, Infektionen, Missbildungen oder ein Blutverlust des Kindes durch eine "falsche" Lage der Plazenta (Placenta prävia).

* Immunologische Faktoren
Für eine große Anzahl von Fehlgeburten, für die man keine Erklärung findet, werden immunologische Ursachen vermutet. Die genauen Mechanismen sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht. Fest steht jedoch, dass es verschiedene Reaktionen sind, die manchmal allein im Immunsystem der Frau begründet liegen und manchmal gerade bei der Kombination der Zellen des Vaters und der Mutter entstehen. Zu den immunologischen Ursachen wird u.a. auch das "Anti-Phospholipid-Syndrom" gezählt, bei dem es zu einer Kombination von Fehlgeburten und Verschlüssen der Blutgefäße kommt. In diesem Fall sind spezielle Antikörper im Blut nachweisbar. Um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, wird in mehreren deutschen Universitätskliniken eine Immuntherapie mit relativ hohem Erfolg durchgeführt. Wissenschaftlich erwiesen ist die Wirksamkeit der Therapie bislang jedoch noch nicht.

Plazenta prävia
Die Plazenta sitzt innerhalb der Gebärmutter zu weit unten, eventuell vor dem vorangehenden Teil des Kindes. In den letzten Monaten der Schwangerschaft oder bei der Geburt kann es zu Blutungen kommen, so dass eine große Verblutungsgefahr für die Mutter und das Kind besteht.

Plazentalösung (vorzeitige)
Lösung der Plazenta von ihrer Haftfläche vor oder während der Geburt, wodurch es zu
(schwersten) Blutungen aus den mütterlichen Gefäßen, manchmal auch den kindlichen Gefäßen kommt. Hier besteht größte Gefahr für das Leben von Mutter und Kind.

Plazentainsuffizienz
Dies ist die mangelnde Fähigkeit des Mutterkuchens, das Kind zu ernähren. Diese
Plazentainsuffizienz kann wiederum durch eine Vielzahl von Erkrankungen, u.a. auch Stress,
hervorgerufen werden. Weitere Ursachen sind Nabelschnurkomplikationen, die Zuckerkrankheit (die auch erstmalig während der Schwangerschaft auftreten kann), Blutgruppenunverträglichkeit zwischen Mutter und Kind, Infektionen, Missbildungen oder ein Blutverlust des Kindes durch eine „falsche" Lage der Plazenta (Placenta prävia).

Psychosoziale Faktoren
Die meisten Vorgänge im menschlichen Körper sind multifaktoriell bedingt, das heißt, dass verschieden Einflüsse zusammenkommen, damit etwas geschieht. Auch bei Fehlgeburten gibt es selten nur eine Ursache, häufig kommen verschiedene Umstände unglücklich zusammen. Auch psychische und soziale Faktoren können bei der Entstehung einer Fehlgeburt eine Rolle spielen. So hat man z.B. beobachtet, dass alleinstehende Frauen häufiger Fehlgeburten erleiden. Die psychischen Auslöser sind meist nicht einfach zu benennen. Als wesentlichen Faktor hat die gynäkologisch-psychosomatische Forschung das Fehlen von Sicherheit herausgestellt, auch nicht verarbeitete Verluste aus vorhergehenden Schwangerschaften. Aus diesem Gefühl entstehen Angst und Stress, die wiederum über hormonelle Einflüsse das Entstehen einer Fehlgeburt begünstigen können. In einigen Studien hat man herausgefunden, dass Frauen mit habitueller Abortneigung zu großen Teilen doch austragen können, wenn sie in der Schwangerschaft speziell betreut werden. Kernpunkt dieses Betreuungskonzeptes, das unter dem Namen "Tender loving care" bekannt geworden ist, sind die Vermittlung von Sicherheit und Geborgenheit. Jedoch kann man nicht davon ausgehen, dass eine Ablehnung der Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt führen kann. Nicht unbeachtet bleiben sollten auch Fett- oder Magersucht als auch Gewalterfahrungen in früheren Jahren sowie vorausgegangene sozial indizierte Schwangerschaftsabbrüche.

PCO = Syndrom der polyzystischen Ovarien (Stein-Leventhal-Syndrom)
Beim PCO-Syndrom liegt eine Störung der Eierstöcke vor, die sich in verschiedenen Formen zeigen kann. Das klinische Bild der Erkrankung hat eine große Variationsbreite. Es finden sich Vermännlichungserscheinungen (Androgenisierungserscheinungen) mit einem vermehrten Wuchs der Schambehaarung, Übergewicht, Zyklusstörungen und Störungen des Zuckerhaushaltes. Durch ein hormonelles Ungleichgewicht gibt es unter anderem zu viele männliche Geschlechtshormone. Dies führt zu eine veränderten hormonellen Stimulation der Eierstöcke, in denen sich dann Zysten verschiedener Größe bilden. Diese Störung führt sehr häufig zu einer (vorübergehenden) Unfruchtbarkeit. Die eigentlichen Ursachen sind nicht genau bekannt, eine Rolle spielen jedoch sicherlich die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen. Je nach Ausprägung behandelt man diese Krankheit mit Gewichtsreduktion, Tabletten, Fruchtbarkeitshormonen oder einer Operation.

* Schadstoffbelastung
Schwermetalle, die über die Nahrung aufgenommen oder eingeatmet wurden, können in verschiedenen Organsystemen abgelagert werden und sich dort anreichern. Schwermetalle können sich in der Hirnanhangsdrüse, dem Eierstock oder in der Samenflüssigkeit anreichern und so Fehlgeburten und Missbildungen begünstigen. Es gibt Hinweise, dass Belastungen mit Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber, aber auch Holzschutzmittel, solche Störungen hervorrufen. Über die Rolle von Amalganfüllungen gibt es unterschiedliche Ansichten. Weder die Gegner noch die Befürworter einer Hypothese, dass Amalganfüllungen zu gehäuften Fehlgeburten führen, haben bisher "harte Daten" vorlegen können. Durch die Gabe von Vitaminen und Spurenelementen konnte in einer Studie der Universitätsklinik Heidelberg bei Frauen mit habituellem Aborten und vermehrter Schwermetallausscheidung im Urin die "Baby-Take-Home-Rate" von 25% auf 75% gesteigert werden.

Weitere Information

Blutgruppenunverträglichkeiten in bestimmten Kombinationen sind nach wie vor ein Grund für eine frühe Fehlgeburt wie auch eine Rhesus-Unverträglichkeit. Dies lässt sich jedoch erst aus dem Gewebematerial des Feten während einer Obduktion erkennen und bietet sich vor allem bei wiederholten Fehlgeburten an.

Immunologische Ursachen, wie z.B. das o.e. Antiphospholipidsyndrom, die offensichtlich in bestimmten Fällen durch eine Therapie mit Aspirin und Heparin behandelt werden können, tauchen in letzter Zeit verstärkt auf. Hier wissen die Ärzte vor Ort leider oft noch sehr wenig, so dass eine Weiterleitung an eine größere Klinik, eventuell mit spezieller Kinderwunsch-Sprechstunde, sinnvoll ist. Betroffene Mütter müssen sich oft genug selbst auf die Suche nach Informationen begeben (Buchhandel, internet, medizinische Foren etc.).

Eine Zervixinsuffizienz (Schwäche des ringförmigen Muskels des Muttermundes) kann ebenfalls vorkommen. Bei der Zervixinsuffizienz gibt es die Möglichkeit der Cerclage (Umschlingung des Muttermundes mit einem Nylonfaden oder Band oder die "Tabakbeutel-Technik" oder ggf. Verschluss des Muttermundes mit einer Naht) bzw. die Möglichkeit des totalen Muttermundverschlusses in wenigen ausgewählten Fällen, der jedoch hauptsächlich bei Gefahr von aufsteigenden Infektionen angewandt wird.

Myome können eine Schwangerschaft behindern. Dennoch gibt es Frauen, die eine Schwangerschaft auch bis zum Ende austragen konnten. Hierzu haben wir unterschiedliche Erfahrungen, die mit Sicherheit auch auf dem Wissenstand der einzelnen behandelnden Gynäkologen beruhen. So gibt es Frauen, die keine weitere Schwangerschaft mehr gewagt haben aus Angst vor einer weiteren Fehlgeburt und anderen Risiken. Andere wiederum wurden von ihrem Arzt ermutigt, wieder schwanger zu werden, allerdings mit der Auflage einer engmaschigen Untersuchung - auch der

Sonographie und eventueller Hormongaben - in der folgenden Risikoschwangerschaft. Die Medizin geht tatsächlich davon aus, dass bei Myomknoten ab 8 cm das Risiko einer Fehlgeburt oder anderer Komplikationen zunimmt. Dennoch gibt es keine eindeutigen Aussagen der Ärzte, die Meinungen sind geteilt.

Daraus ist zu schließen, dass jede Frau ihren Arzt selbst befragen und ihre eigene Entscheidung treffen muss.

Text: Barbara Künzer-Riebel

(Quelle: Broschüre „Folgeschwangerschaften" der Initiative REGENBOGEN „Glücklose Schwangerschaft" e.V, zu beziehen über den Broschürenversand. In diesem Heft finden Sie auch weitere interessante Informationen, z.B. über das „Tender loving care".)

 

 

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